Digitale Unterstützung fürs Handwerk

Hand anlegen wird der Handwerker auch noch im 21. Jahrhundert. Doch mithilfe von Digitalisierungsprozessen lassen sich viele Arbeitsprozesse vereinfachen. Einer der digitalen Vorreiter ist die Hüser Michels GmbH. Die Bürener Tischlerei im Paderborner Land setzt auf neue Technologien. Als eines der ersten Unternehmen hat sie den seinerzeit neuen Digitalisierungskredit der NRW.BANK genutzt, um ein 5-Achs-CNC-Bearbeitungszentrum mit Verleimaggregat anzuschaffen.

Jan (links) und Josef Hüser
Geschäftsführer Jan (links) und Josef Hüser

„So wie der Schreiner kanns keiner“, lautet der Slogan auf den T-Shirts der Mitarbeiter der Tischlerei Hüser Michels. In dem Familienhandwerksbetrieb in Büren brummt das Geschäft. Die Aufträge für Innen- und Objekteinrichtungen, Trocken- und Akustikbau sind dabei digitalisiert von A wie Auftrag bis Z wie Zuschnitt. Die Daten, die die Mitarbeiter vor Ort beim Kunden mit einem 3D-Laseraufmessystem erfassen, senden sie direkt an den Betrieb. Und auch Architekten mailen ihre Zeichnungen wie Grundrisse von Krankenhausstationen, die dann direkt in die Software IMOS importiert werden. Die speziell für das Holzhandwerk und die Holzindustrie entwickelte Software erstellt eine Stückliste und jedes Bauteil bekommt ein Barcode-Etikett. Scannt der Mitarbeiter das Barcode-Etikett auf dem jeweiligen Bauteil, fahren die Vakuumsauger automatisch auf die gewünschte Position und das Werkstück kann sofort aufgelegt werden. „Bei der alten Maschine mussten die Vakuumsauger noch von Hand positioniert werden. Brauchte man vorher für die Fertigung einer runden Tischplatte anderthalb Stunden Manpower, ist der komplette Vorgang inklusive Verleimung der Kanten, Beifräsen und Beipolieren nun in vier bis acht Minuten erledigt. Dadurch kann ich beispielsweise geschwungene Sonderbauteile, die bekantet werden, viel besser im ERP-System kalkulieren“, erklärt der Inhaber, Schreinermeister Jan Hüser.

Liebe zum Detail

Das Unternehmen leiten Vater Josef und Sohn Jan Hüser gemeinsam. Auf 3.500 Quadratmetern wird mit viel Know-how und Liebe zum Detail geschreinert und getischlert. Auch ein hochmoderner Maschinenpark gehört zum Handwerk. Und der wurde mit dem Digitalisierungskredit der NRW.BANK auf den neuesten Stand gebracht: eine 8,50 Meter breite und 5,5 Tonnen schwere CNC- (=Computerized Numerical Control)-Maschine stellt sehr präzise Werkstücke automatisch her.

Maßgeschneidert für die Digitalisierung

Bei der Finanzierung des Schwergewichts spielte der Hüser Michels GmbH das Glück in die Hände, denn die NRW.BANK hatte kurz zuvor die Innovationsförderung ausgeweitet. „Mit dem Digitalisierungskredit, der ein Baustein des Programms NRW.BANK.Digitalisierung und Innovation ist, gibt es einen zinsgünstigen Förderkredit, der speziell für die neuen Techniken aufgelegt wurde“, fasst Christian Hoischen, Förderberater bei der NRW.BANK, zusammen. Die Hausbank half Josef und Jan Hüser bei der Antragsstellung und dann ging alles sehr schnell. Im Falle der Bonitätsklasse der Hüser Michels GmbH war das sechsstellige Darlehen auf zehn Jahre sogar zinslos. „Besser geht es gar nicht. Jeden Cent, den ich nicht für Zinsen aufbringen muss, kann ich in den Betrieb investieren“, freut sich Jan Hüser.

Schnittstellen sparen Zeit

„In vielen mittelständischen Industrie- und Handwerksbetrieben werden Arbeitsprozesse noch immer von Einzel- und Insellösungen gesteuert. Man spricht hier von sneaker-network, weil Daten oder Material zu Fuß transportiert werden. Mit neuen Technologien lässt sich langfristig viel Zeit und Geld sparen “, erklärt Finanzierungsexperte Hoischen. Bei der Firma Hüser Michels erübrigen sich mit der neuen CNC-Maschine viele Wege und Arbeitsschritte. Die durch die neue CNC-Maschine freigewordene Zeit nutzt Jan Hüser, um die Kunden vor Ort zu beraten. Und mit der Schnelligkeit, mit der er Aufträge zum Beispiel für Krankenhäuser realisieren kann, bleibt er wettbewerbsfähig. Jan Hüsers nächster digitale Traum ist ein Roboter: „Wenn wir die Maschine nach Feierabend weiter laufen lassen könnten, wäre das prima.“


Stand: 15. Januar 2021

 

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